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Landarztteam erzählt aus „neuem“ Alltag
Apr 21

Landarztteam erzählt aus „neuem“ Alltag

Dr. Lukas Heschl, Hausarzt im Landarztteam in Oed bei Amstetten, Niederösterreich, Corona Hotspot, erzählt über die Herausforderungen einer Pandemie für eine Hausarztpraxis

Hände waschen, Ordinationskleidung an, Maske auf, Headset auf, Telemedizin an. Der Alltag besteht aus Telefonaten, Videokonsultationen, Fotos begutachten, Rückrufen, langen Anamnesegesprächen um jede kleinste Information, jedes Symptom zu finden und einen besseren Überblick über das Krankheitsbild zu bekommen.

Vom vollen Ordinationsraum zur leeren Telemedizinordi mit Schleuse und Infektionsordination in 24 Stunden. Am Sonntag den 15. März erahnten wir die Maßnahmen der Regierung auf Grund der Coronapandemie. Wir begannen sofort mit Überlegungen wie wir den Ordinationsbetrieb um 180 Grad drehen können und das in weniger als 24 Stunden. Unsere Ordination war bis vor 4 Wochen eine niederschwellige Come and Go Ordination, es erforderte nur für spezielle Untersuchungen wie Vorsorgeuntersuchung, Mutterkindpass, Impfungen und Atteste  Termine, ansonsten konnten unsere Patienten jederzeit den Ordinationsbereich betreten ohne Voranmeldung.

Wir kontaktierten unsere zwei Gemeinden, und bekamen sofort Unterstützung beim Aufbau der Schleuse und Besorgen von Heizgeräten. Wir gestalteten Corona Infoplakate und Presseaussendungen mit unseren Gemeinden, die bereits am 16.März alle Bürger über die neuen Gegebenheiten  informierten. Unser Corona Gate Controller befragt die Patienten beim Eintritt und es dürfen maximal 4 Patienten  in allen Ordinationsräumlichkeiten (ca. 250m²) gleichzeitig anwesend sein.

Am 16. März hatten wir kaum Schutzausrüstung, ein paar wenige Masken, keine Mäntel, wir waren auf uns allein gestellt. Befreundete Patienten halfen uns aus, die Bevölkerung brachte uns zuerst kostenlos am ersten Tag FFP1 und FFP2 Masken, bereits am 18.März konnten wir wiederverwendbare Schutzmäntel von unseren Patienten organisieren. Ab diesem Zeitpunkt war es uns wieder möglich täglich Visiten in Vollanzug zu chronisch Kranken oder Akutkranken durchzuführen.

Die Pandemie erforderte unserer Meinung nach auch noch weiteren Maßnahmen: Ab der zweiten Woche waren wir an allen fünf Wochentagen telefonisch für unsere Patienten erreichbar, jeden Samstag erfolgten Rückrufe für Pflegebedürftige, Befundbesprechungen und chronisch Kranke. Spitäler errichteten Schleusen, die nur für absolute Härtefälle geöffnet werden, alle anderen Patienten wurden von uns selbst versorgt.

In all der Zeit bekam unserer Ordination keinerlei offizielle Informationen über Patienten, die an Corona erkrankt sind. Glücklicherweise riefen uns unsere Patienten häufig von selbst an, um Beratung bei Symptomen zu erhalten. Wir führen mittlerweile auch eine Liste mit allen Erkrankten unserer Patienten und kontaktieren sie zweimal pro Woche, dies wurde außerordentlich positiv von den oft stigmatisierten Erkrankten angenommen. In diesem Zusammenhang ist es für uns völlig unverständlich, warum Hausärzte keine Erkrankungsdaten erhalten, immerhin sind sie die erste Anlaufstelle ihrer Patienten.

Nun war Ostern, wir sind vor Woche 6, die Intensivbetten in unserer Krisenregionen sind gut befüllt, der Ausnahmefall ist Routine geworden, Akuttermine bei Fachärzten und in Spitälern gibt es wieder, ein Gefühl von Frühling stellt sich ein. Wir haben Schutzausrüstung, die Patienten sind gewöhnt an den Ausnahmezustand, aber jeder hofft auf eine Aufweichung der harten Maßnahmen im Ordinationsbereich.

Nur mit Schutzkleidung von offizieller Seite hätten wir am Tag 3 unsere Ordination schließen müssen. Im Laufe der vier Wochen erhielten wir von ÖGK, Ärztekammer und Land/Bund schließlich 10 FFP3, 20 FFP2, 150 OP Masken und 2 Packungen Handschuhe – relativ viel, da unserer Ordination sehr viele Patienten versorgt. Es gibt aber auch Kollegen die maximal 5 Masken erhielten, Umstände unter denen eine Regelversorgung nicht aufrecht erhalten werden kann.

In dieser Krise, die uns alle betrifft, hat sich für uns Eines bewiesen: zu Hilfe kommen Freunde, Familie, Patienten, Menschen, die uns nahestehen. Ohne diese Hilfen hätten wir das alles nicht aufrechterhalten können. Dank erhalten wir tagtäglich von unseren Patienten, weil wir für sie da sind.

Es zeigt sich tagtäglich wie wichtig die Funktion des Family Doctors, des Hausarztes für die Bevölkerung ist. Wir sind der Dreh- und Angelpunkt für die Menschen in Gesundheitsfragen, bei psychischen und physischen Krisen, bei Pandemien und in ruhigen Zeiten. Diese Dankbarkeit und diese Einplanung ins gesamte System wünschen wir uns in zukünftiger Zusammenarbeit mit der Sozialversicherung, den Ländern und dem Bund. Jeder hat eine zweite Chance verdient, unterstützt uns jetzt und danach um gemeinsam die Gesundheit unserer Patienten, unserer Mitmenschen zu erhalten.

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